Standardisierung

Anwendungen der Blockchain für wissenschaftliche Veröffentlichungen

Blockchain in der Wissenschaft

Seit der Gründung des European Blockchain Centers und des Berliner Think Tanks „Blockchain for Science“ vor einigen Jahren gewinnt die Idee, die Blockchain-Technologie auf den Bereich der wissenschaftlichen Publikationen anzuwenden, zunehmend an Bedeutung.

Konferenzen entwickeln sich rund um die Idee eines „Proof of Concept“, der auf die Forschungsarbeit angewendet werden kann, wie z. B. die „Cryptoeconomy for science & research“ in Zürich, die im Mai 2018 stattfand. Die Anwendungsmöglichkeiten einer potenziell dezentralen, transparenten und entgeltlichen Blockchain-Technologie sind zahlreich und könnten Lösungen für viele aktuelle Probleme in der Wissenschaft bieten.

Schwierigkeiten der traditionellen wissenschaftlichen Forschungs- und Veröffentlichungsmethoden

Die derzeitige Organisation des akademischen Systems und der damit verbundenen Einrichtungen zwingt uns Forscher dazu, ständig zu veröffentlichen oder zu riskieren, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden: Wenn man in der Forschung bleiben will, muss man in hochwertigen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichen und sich als Thought Leader – Vordenker behaupten.

Das Publikationssystem ist stark zentralisiert und besteht aus Zeitschriften, die durch kostspielige Abonnements ihre Verbreitung an Universitäten und Forscher sicherstellen. Auch dieser Veröffentlichungsprozess dauert mehrere Monate, manchmal Jahre, und leidet unter sporadischen Problemen mit Datenfälschungen oder Plagiaten, was die Undurchsichtigkeit des Forschungsprozesses verdeutlicht.

Schließlich wird auch die Vergabe von Forschungsgeldern kritisiert: Politische Agenden, der Wunsch, sich mit dem Privatsektor zu messen, der akademische Ruf des Forschers und andere Faktoren tragen dazu bei, dass wissenschaftliche Einrichtungen wenig transparent und zu zentralisiert sind.

Lösungen durch Blockchain und wissenschaftliche Token

Viele Teams in aller Welt arbeiten an einer Blockchain-Lösung für diese Probleme. Auch wenn die „Konzeptnachweise“, die diese Teams zu erbringen versuchen, unterschiedlich sind, lässt sich eine gemeinsame Dynamik erkennen. Die Blockchain ermöglicht somit eine wissenschaftliche Zusammenarbeit, die nicht nur transparenter, sondern auch sofort zugänglich ist.

Wirtschaftliche Gewinne und solche, die mit der Reputation von Forschern verbunden sind, können auf Kryptowährungstransaktionen und Kryptokursen beruhen, mit denen sowohl die Veröffentlichung als auch die Peer-Review vergütet werden, und zwar auf der Grundlage eines Bitcoin-ähnlichen Systems.

Ein weiterer großer Vorteil ist die direkte und dezentrale Verknüpfung aller Akteure im Bereich der wissenschaftlichen Veröffentlichung, wodurch die drei entscheidenden Elemente der akademischen Forschung abgedeckt werden: Zusammenarbeit, Finanzierung und Veröffentlichung.

Mehrere Projekte zielen bereits auf die Umsetzung dieser technologischen Lösungen ab

Das Projekt Scienceroot in Wien (Österreich) hat zum Ziel, eine transparente und effiziente Plattform zu schaffen, auf der jeder seine Ergebnisse veröffentlichen, Fördermittel beantragen und veröffentlichte Arbeiten bewerten kann. Diese Plattform hat einen eigenen Token und eine eigene Blockchain geschaffen, die eine gleichberechtigte Verwaltung der Veröffentlichungen ermöglichen.

Die südkoreanische Pluto-Plattform kombiniert Ethereum und die IFPS-Technologie (Interplanetary File System), um alle an die Plattform gesendeten Publikationen, Zeitschriften, Studien und andere Informationen zu speichern. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die wissenschaftliche Kommunikation durch Dezentralisierung transparent und effizient zu gestalten.

Die in Boston angesiedelte Plattform Artifacts verfolgt ein anderes Ziel. Sie soll alle unveröffentlichten Daten aus wissenschaftlichen Zeitschriften zugänglich machen. Diese Daten können Manuskripte, Präsentationen, Förderanträge, veröffentlichte Arbeiten, Datensätze oder Poster umfassen.

Künftige Entwicklungen und Fragen

Trotz der Kreativität dieser Start-ups und der entwickelten Projekte befinden wir uns noch in den Anfängen dieser Technologie. Die Idee der Wissenschaft 2.0, der offenen Wissenschaft, der offenen Daten oder der offenen Peer-Review, wurde bereits von vielen Akteuren gewünscht.

Die eigentliche Neuheit liegt jedoch in der Verwendung von Blockchain, DLT-Technologie und Token zur Umsetzung dieser Ideen in die Praxis. Es ist auch zu hoffen, dass Gruppen und Institutionen, die sich diesem Thema widmen, wie die IBFS (International Society of Blockchain for Science), neue Lösungen und Ansätze in diesem Bereich liefern können.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Blockchain in der Lage sein wird, Antworten auf Probleme zu geben, die in vielen Fällen nicht technologisch sind und für jeden wissenschaftlichen Forschungsbereich spezifisch bleiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.